Der Peoples Blog

„…here comes the sun…“

Liebe Freunde des Hauses,

vor knapp zwei Jahren wird es plötzlich und völlig überraschend kalt in Deutschland. Nicht meteorologisch – in den Wettervorhersagen heißt es fröhlich: „Der Frühling dreht ordentlich auf“, was der März mit 1.7 Grad über dem langjährigen Mittel dann auch wirklich tut. Es geht um eine andere Art von Kälte. Die Art, die sich breit macht, wenn etwas Selbstverständliches, zutiefst Vertrautes, unbemerkt Geliebtes plötzlich verschwindet. Anfang 2020 sind das unsere menschlichen Begegnungen.

Mit dem Hereinbrechen des ersten Lockdowns endet mit einem Schlag fast jeder persönliche Kontakt. Und heute, zwanzig Monate später wissen wir schmerzhaft genau, was da aus unserem Leben verschwunden ist und auch durch zwei viel zu kurze, viel zu sorglose Sommer und immer routinierteres Bedienen von Zoom und Teams nicht wirklich zurückkam: Die Nähe, die Berührungen, die kleinen, unbewachten, kostbaren Momente, die nur entstehen, wenn wir beieinander sind, mit Körper und Seele. Die ganze schillernde Kraft unserer Begegnungen.

Und schon wieder wird unser Leben heruntergedimmt, schon wieder fast routiniert gelockdowned, schon wieder auf R-Werte und Inzidenzkurven gestarrt. Ein zweiter, noch dunklerer Winter scheint unausweichlich, mit seinen nicht messbaren, aber umso offensichtlicheren und kaum zu ertragenden menschlichen Kosten.

Wäre da nicht diese eine seltsame Zahl. Die Zahl, die ein anderes, helleres Licht auf wieder einmal verschobene Träume, abgesagte Umarmungen und verwaiste Weihnachtsmärkte wirft: 737.824.059.

So oft wurde bisher der auf Spotify erfolgreichste Song der Beatles gestreamed. Es ist nicht “Yesterday“ und auch nicht „Let it be“. Es ist „Here comes the sun“. Wenn die Weisheit des Schwarms jemals mit Händen zu greifen war, dann in dieser dreiviertel Milliarde Mal, die sich Menschen auf der ganzen Welt George Harrisons Mantra „Sun, sun, sun, here it comes“ aufs Trommelfell legen wie eine akustische Morgendämmerung. Denn genau das ist dieser Song.

Wie ein Pandemie-Prophet schreibt der so lange unterschätzte dritte Beatle: „Little darling, it´s been a long, cold, lonely winter, it seems like years since it´s been here” - und wir wissen ganz genau, was er meint. Aber aus irgendeinem rätselhaften Grund scheinen wir auch zu wissen was jetzt bald, endlich kommen wird: „Little darling, the smiles returning to the faces.” Schwer, das jetzt zu glauben, aber genau so wird es sein, einfallsreichen Virusvarianten und einfallslosen Impfquoten zum Trotz.

Wir werden sie wieder erleben, die Momente, deren Kostbarkeit wir vorher nie ganz verstanden haben und die für uns so selbstverständlich waren, nächsten Sommer, nächstes Frühjahr vielleicht schon. Wir werden uns Hände auf Schultern legen, als Trost, als Ermutigung und aus Zuneigung. Wir werden in Türrahmen stehen und mit neuer Wachheit beobachten, wie große Fragen und wichtige Entscheidungen hier, zwischen zwei Räumen und zwei Meetings, wie von selbst beantwortet und getroffen werden. Wir werden uns freuen an den kleinen Gesten, dem Kaffee, den wir der Kollegin mitbringen, dem Zunicken nach einer klugen Präsentation. Wir werden wieder in ein spontanes Ideen-Ping-Pong eintauchen, das auf keiner Agenda stand. Wir werden Konflikte fühlen und einfangen, lange bevor eine anonyme Webcam unerwartet böse Worte in die Video-Konferenz spuckt. Wir werden es wieder erleben, das Glück der Begegnung, aus dem so oft Einzigartiges, Unerwartetes entsteht.

Und dieser Song ist ein erster Vorgeschmack. Denn wie so oft bei den Beatles ist die Musik nur scheinbar einfach: freundliche Gitarren umschlendern eine simple Melodie. Aber darunter, wie im richtigen Leben, schwirrt es nur so von Komplexität. Der Rhythmus: voller Taktwechsel wie eine hin- und herwogende Diskussion. Und wie jede gute Diskussion steckt sie voller kleiner Überraschungen, die sonst nur Jazzer oder George Harrisons indische Musik-Gurus beherrschen. Die Instrumentierung: vielstimmig und vielschichtig. Mit einem kleinen Orchester schafft sie viele warme Zwischentöne, wie ein vertrautes Gespräch unter alten Freunden. Popmusik auf allerhöchstem Niveau also, die doch nur das zum Glänzen bringt, was George Harrison in fast erleuchteter Einfachheit unter der ersten Frühlingssonne des Jahres 1969 im Garten von Eric Clapton zugeflogen ist: Eine kleine, verspielte Hymne an die Gewissheit, die uns durch den zweiten Corona-Winter bringen wird:

Wir werden uns wiedersehen.
Wir werden wieder miteinander sprechen.
Wir werden uns wieder in die Arme nehmen.
Und wir werden jede Minute davon genießen.

Here comes the sun.

Wie in keinem Jahr unseres 20-jährigen Bestehens freuen wir uns darauf, Euch und Sie in 2022 wiederzusehen, in vertrauten Gesprächen Pläne zu entwickeln und Verbindungen zu schaffen.
Wir wünschen ein frohes Fest und gesundes neues Jahr.

Herzlich

Dagmar Hübner & das Team von The People Business

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