Der Peoples Blog

"...against all odds. Take a look at me now..."

zum einen war da diese Lücke im Lebenslauf, fast acht Monate ungeklärt. Dazu zwei schnelle Jobwechsel, der letzte nach nur sechs Wochen.
Aber das war noch nicht einmal der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: raus war der Kandidat als klar wurde, dass er Englisch nach anerkanntem Abschluss nur auf unterem Niveau beherrschte.

Die Datenlage: ebenso eindeutig wie erdrückend. Das Urteil des Algorithmus? In unter einer Millisekunde gefällt: Ungeeignet. Wer wollte ihm widersprechen?

Der Algorithmus konnte ja nicht wissen, dass der junge Mann, der da mit großer Ehrlichkeit das Online-Formular ausgefüllt hat, außerordentliches Potenzial als Führungskraft mitbringt, erworben in einem 8-monatigen unbezahlten Sozialprojekt im härtesten Township Kapstadts. Konnte nicht wissen, dass der mittlere von drei Söhnen hoch empathisch war und zugleich sensibel – weshalb er eine Weile gebraucht hatte, sein Ziel zu finden. Dafür ist er unterwegs immer besser darin geworden, seine Leidenschaft trotz lukrativer Angebote nicht aus den Augen zu verlieren. Sein letzter Arbeitgeber, ein Start Up kurz vor dem Cash-in, hatte ihn am Ende nur sechs Wochen mit Firmenwagen und Spesenkonto bezirzen können. Sein Englisch? Fließend. Dafür hatten die beiden Australier im Team und der amerikanische Projektleiter in Kapstadt schon gesorgt. Nur für einen anerkannten Abschluss war schlicht keine Zeit gewesen. Auch das kann der Algorithmus nicht wissen. Wie auch.

Und genau das ist das Problem. Menschen, diese komplexen, widersprüchlichen Wesen werden unsichtbar, wenn Maschinen sie lesen. Weil Algorithmen nicht erkennen, was jenseits der Raster von Abschluss und Berufsstationen liegt, die Um- und Abwege menschlicher Entwicklungslinien, die inneren Qualitäten, die Social Skills – alles das, was uns erst zu Menschen macht. Warum dann immer mehr Konzerne ihren Recruitingprozess an Algorithmen auslagern? Verstehen wir auch nicht.

Was wir uns für 2019 wünschen? Dass wir uns ansehen statt uns ausrechnen zu lassen. Dass wir uns gegen alle Wahrscheinlichkeit, gegen alle falschen Häkchen auf dem Online-Formular darauf einlassen, wer vor uns sitzt. Auf diese Wunderwerke aus Motivation und Leidenschaft, aus Scheitern und klüger-wiederaufstehen, aus noch-suchen und schon-gefunden-haben, aus Sackgassen und Zielgeraden, guten Fragen und nicht immer perfekten Antworten. Auf Menschen, so komplex wie die Wirklichkeit um uns herum. Menschen, die mehr sind als das was sie ankreuzen. Die mitreißend sind, einfühlsam, quer denkend – auch wenn kein Algorithmus der Welt sie je danach fragen wird.

Was wir dafür tun müssen? Nur das, worum Phil Collins uns schon 1984 gebeten hat: Take a look at me now. Against all odds. Wir freuen uns auf weiterhin intensive Gespräche und neue Wege in die besten aller Welten und wünschen Ihnen und Euch ein friedvolles, entspanntes Weihnachtsfest – und ein erfolgreiches neues Jahr!

Herzlich Dagmar Hübner & das Team von The People Business

 

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